Schüler sollen lernen
Ein Beitrag zur Hausaufgabendiskussion und zum Konzept der GSE
(von Wolfgang Steininger, Förderstufenleiter)
Die GSE hat vor einigen Jahren im Rahmen einer Umstrukturierung des Unterrichts und dem Ausbau zur Ganztagsschule überlegt, das Lernen verstärkt vom häuslichen Bereich in die Schule zu holen. So wurden speziell für diese Aufgabe die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch in der Förderstufe mit zusätzlichen Unterrichtsstunden aus dem Stundenkontingent „Ganztagsangebote“ verstärkt. Das Lernen (Üben, Anwenden, Wiederholen) findet so mehr Raum und Zeit am eigentlichen Lernort und kann von ausgebildeten Fachkräften begleitet werden.
Das schriftliche Arbeiten wird in der Schule vollzogen, für das darüber hinaus notwendige Lernen von Vokabeln, das tägliche Üben der Rechtschreibung, das Nach- und Vorbereiten des Unterrichts oder das Üben für Lernkontrollen und Klassenarbeiten bleibt den Schülerinnen und Schülern Zeit am Nachmittag. Dieser Bereich bleibt nach den üblichen „Hausaufgaben“ (Aufsatz schreiben, Mathepäckchen rechnen, Arbeitsblätter in Englisch ausfüllen usw.) meist auf der Strecke.
Die Schülerinnen und Schüler, die ihre Hefte regelmäßig mit sich führen müssen, kommen so mit fertigen „Ergebnissen“ nach Hause. Die Fachkraft kann in der Schule direkt eingreifen, helfen, erklären. Eltern sind keine „Hilfslehrer“. Zudem erhält die Fachkraft einen besseren Überblick über die tatsächlichen Stärken und Schwächen eines Schülers/ einer Schülerin.
Als problematisch ist auch der übliche und sehr unterschiedliche Umgang mit Hausaufgaben anzusehen. Hausaufgaben werden in sehr unterschiedlichem Umfang aufgegeben, nicht erledigte Hausaufgaben sehr unterschiedlich geahndet, oft werden Hausaufgaben (aus Zeitgründen) überhaupt nicht überprüft.
Da das lästige und oft frustrierende Abfragen der Hausaufgaben im schriftlichen Bereich entfällt, gewinnt man Zeit für das Lernen in der Schule. Die Unterrichtsstunde beginnt stressfrei und mit einer deutlichen Zeitersparnis.
Bei den traditionell üblichen Hausaufgaben kann man sich darüber hinaus nie sicher sein, wer die Aufgaben tatsächlich angefertigt hat, ob sie kurz vor Schulanfang schnell noch abgeschrieben wurden oder in welchem Umfang die Schülerinnen und Schüler Hilfen im Elternhaus erfahren.
Mit dem Konzept, das Lernen weitgehend in die Schule zu verlagern, begegnet die GSE dem Vorwurf, der dem deutschen Bildungswesen international gemacht wird, dass das soziale Umfeld sehr häufig in unserem Land über Bildungschancen entscheidet.
Berechnet man die Zeit, die die Schüler der Förderstufe für das zusätzliche Lernen (Üben, Anwenden…) in der Schule und das Vor- und Nachbereiten zuhause aufwenden (sollen), so kommt man auf ca. fünf Zeitstunden pro Woche. Dies entspricht den Vorgaben der „Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses (hier: Hausaufgaben)“.
Im Übrigen war ein Hauptargument der Eltern bezogen auf „G8“, die Kinder nicht bereits in den Klassenstufen 5 und 6 zu sehr zu belasten.
Zum Schluss sei noch auf weltweite Forschungsergebnisse hingewiesen. Diese besagen, dass es bis heute weder belegt noch widerlegt werden konnte, dass Hausaufgaben einen pädagogischen Effekt erzielen.
Klar festgestellt wurde allerdings, dass in Deutschland das Problem der herkunftsbedingten Bildungsbenachteiligung durch die gängige Hausaufgabenpraxis zusätzlich verstärkt wird.
Viele Schulen gehen inzwischen den Weg, den auch wir zumindest bereits in der Förderstufe im Schulkonzept verankert haben: „Hausaufgaben“ werden in die Schule verlagert.
Anders ausgedrückt: Das Lernen findet dort statt, wo ausgebildete Fachkräfte unterstützend eingreifen können.
Bitte diskutieren Sie mit uns im Forum der Homepage.
Oder schreiben Sie uns Ihre Meinung: potthoff@gse-heskem.de
Keine hausaufgaben
Von: Anti-Hausaufgaben am 3. Februar 2010
um 13:50